Was ist bindungs- und beziehungsorientiert?

Bindungs- und beziehungsorientiert ist eine Grundhaltung zu Kindern, ja mehr noch, zum Leben selbst. Es geht darum, dass wir mit unseren Kindern, unserem Partner und auch mit uns selber in einer konstruktiven, wohlwollenden Beziehung leben.

Die bindungs- und beziehungsorientierte Pädagogik von Katia Saalfrank ist die Grundhaltung meiner Arbeit.

Bindungs- und beziehungsorientiert ist eine Haltung zum Leben

Bindungs- und beziehungsorientiert ist kein neuer Erziehungsstil, sondern eine innere Einstellung. Heute wissen wir:

Kinder sind Teamplayer. Sie wollen mit uns zusammenarbeiten.

Wenn Kinder aus der Zusammenarbeit aussteigen, kann das folgende Ursachen haben:

  1. Sie sind überfordert. Unsere Erwartungen an sie sind zu hoch. Oder der Tag war sehr lange und sie haben schon viel mit uns zusammengearbeitet und ihre Bereitschaft zu kooperieren ist aufgebraucht.
  2. Sie wurden gekränkt. Hat es vielleicht gerade vorher eine Situation gegeben, bei der wir dem Kind abwertend, schimpfend oder strafend begegnet sind? Das kann auch ein Grund sein, dass das Kind nicht mehr mit uns zusammenarbeiten will.
  3. Autonomie ist ihre Entwicklungsaufgabe. Gerade in der Autonomiephase will das Kind oftmals das Gegenteil von dem, was wir wollen. In dieser Phase steht das Autonomiebedürfnis ganz oben. Sie wollen sich ausprobieren, ihren Willen einsetzen und unabhängig werden.

Ihr Verhalten ist nie gegen uns gerichtet, sondern das was sie tun, tun sie für sich.

Erwachsene und Kinder sind gleichwertig

Jeder in der Familie ist einzigartig und wertvoll. Kinder und Erwachsene haben den gleichen Wert. Wir sind aber nicht gleichberechtigt und tragen nicht die gleiche Verantwortung. Für die Atmosphäre in unserer Familie sind wir als Eltern verantwortlich. Ebenfalls tragen wir die Verantwortung für die Beziehung zu unseren Kindern. Mit dem Grösserwerden der Kinder verschiebt sich auch das Verhältnis der Verantwortung und sie können immer mehr Verantwortung übernehmen.

Bindungs- und beziehungsorientiert sieht das Verhalten als Geschenk

Wir gehen davon aus, dass jedes Verhalten der Kinder Sinn macht. Es geht nicht darum, das Verhalten zu verändern, sondern das Verhalten zu verstehen. Das Verhalten zeigt uns etwas darüber, wie es dem Kind gerade geht. So dürfen wir das (unangepasste) Verhalten als Einladung ansehen, genauer hinzuschauen. Welche Gefühle stehen hinter dem Verhalten? Um welches (unerfüllte) Bedürfnis geht es gerade?

Das Verhalten hat immer einen Grund. Wenn wir das Gefühl und das Bedürfnis dahinter erkennen, können wir ganz anders auf das Kind reagieren. So können wir es auch in Konflikten wertschätzend begegnen und aus Machtkämpfen aussteigen.

Bindungs- und beziehungsorientiert ist nicht antiautoritär oder laissez-faire

Ein häufiges Vorurteil ist, dass Kinder dann ohne Grenzen aufwachsen und es immer nach ihrem Willen geht. Im Leben stossen wir immer wieder an Grenzen. Ich als Mutter habe meine Grenzen, mein Kind hat seine Grenzen. Grenzen sind überall. Kinder erfahren täglich sehr viele natürliche Grenzen. Sie müssen zuerst lernen was Grenzen überhaupt sind. Sie übertreten ganz oft Grenzen. Die Frage ist jetzt, wie reagiere ich darauf. Hier spielt die innere Haltung eine grosse Rolle.

Wenn ich nach der herkömmlichen Erziehung gehe, werde ich mit Strafen und Konsequenzen auf eine Grenzübertretung reagieren. Das Kind soll es schliesslich lernen, dass das so nicht geht. Ich werde also konsequent meine Regeln und Grenzen durchsetzen.

Wenn ich mein Kind bindungs- und beziehungsorientiert begleite, positioniere ich mich klar zu der Grenze. Ich gehe in Verbindung zu meinem Kind und versuche herauszufinden, worum es ihm wirklich geht. Ich weiss, dass mein Kind es gut machen will, dass es ein Teamplayer ist. Sein Verhalten richtet sich nicht gegen mich, sondern zeigt mir etwas über mein Kind. So bleibe ich wertschätzend ihm gegenüber.

In der Familie geht es um warme, nahe Beziehungen. Familie ist kein Staat mit starren Regeln und Grenzen, bei der jede Grenzüberschreitung eine Strafe braucht. Es braucht immer wieder eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Familienkultur und mit allen Familienmitgliedern.

Stimmen Werte und Rituale noch mit den Bedürfnissen überein? Braucht es vielleicht eine Anpassung? Was brauchen wir, dass es jedem im Zusammenleben gut geht?

2 Comments

  1. Diana

    Liebe Jasmine, vielen Dank für den interessanten Artikel. Das ist sehr befreiend was du sagst: Das Verhalten von Kindern muss nicht geändert sondern verstanden werden». Oft liegen unerfüllte Bedürfnisse dahinter. Das macht es denke ich oft leichter. Allerdings ist wahrscheinlich das Bedürfnis dahinter nicht immer leicht festzustellen. Ist aber eine gute Anregung für mich, denn ich hab bis jetzt oft versucht, das Verhalten das mir nicht gepasst hat gleich zu ändern.

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    • Jasmine Müller

      Liebe Diana, danke für deinen Kommentar. Wie schön, dass es für dich hilfreiche Gedanken dabei hatte. Das Verstehen-Wollen nimmt schon mal ganz viel Drucke weg. Es hilft das Kind und seine Bedürfnisse wirklich zu sehen. Das entschärft schon mal die Situation. Mit älteren Kindern kann man gut auch darüber ins Gespräch gehen, am besten, wenn die Emotionen etwas verraucht sind. Worum ging es dem Kind? Was war der Auslöser? Das ist eine spannende Entdeckungsreise 😊. Viel Freude dabei:

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Hey, ich bin Jasmine

Ich begleite Eltern mit Kleinkindern durch die Stürme der Autonomiephase. Weg vom Machtkampf hin zu mehr Leichtigkeit.

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