Warum es keine Trotzphase gibt und wie du gelassener mit den Wutanfällen deines Kleinkindes umgehst

Dein Kind flippt völlig aus, weil du ihm den falschen Becher gegeben hast. Ein riesen Wutanfall, weil du die Türe geöffnet hast und das wollte eigentlich dein Kind machen. Weil du deinem Kind im Laden das gewünschte Spielzeug nicht kaufst, schmeisst sich dein Kind auf den Boden und wütet. Kennst du solche und ähnliche Situationen?

Die Kleinkindzeit kann so anstrengend sein. So viele Gefühle, so viel Wut und Frust. Und gleichzeitig noch so wenig Verständnis. Das bringt dich immer wieder an deine Grenzen. In diesem Artikel schauen wir uns an, was bei deinem Kleinkind passiert und wie du dein Kind entspannter durch die Wutanfälle begleiten kannst.

 

Was ist mit meinem Kind passiert? Mein Kind hat einen Wutanfall nach dem anderen.

Ich bin mit meiner Tochter schon sehr früh mit der «Trotzphase» in Berührung gekommen. Sie war sehr autonom, wollte vieles selber machen und ständig kam ein «Nein» als Antwort. Von einem Tag auf den anderen kamen heftige Wutanfälle dazu. Sie schmiss sich an den Boden, schrie und tobte.

Ich habe meine Tochter nicht mehr wiedererkannt. Zuerst habe ich mir Sorgen gemacht. Ist meinem Kind etwas Schlimmes passiert? Und dann habe ich angefangen mich mit dem Thema «Trotzphase» – Autonomiephase auseinanderzusetzen.

Warum es keine «Trotzphase» gibt

Trotzphase, Trotzkopf, Trotzanfall, trotzen – Im Verlauf des ersten Lebensjahres, spätestens im zweiten Lebensjahr beginnt die sogenannte «Trotzphase». Aus dem Baby wird ein Kleinkind. Immer mehr entdeckt das Kind seinen Willen. Nein wird zu seinem Lieblingswort.  Als Eltern fühlt man sich oft erstmal überfordert.

Von Aussen kommen sehr schnell Sprüche wie «Du musst jetzt Grenzen setzen, sonst tanzt dir dein Kind auf der Nase rum». Die Angst vor «Tyrannen-Kindern» ist immer noch weit verbreitet.

Es ist eine intensive Phase, voller starken Gefühlen: überschäumende Freude, Begeisterung, Frust, Wut…Wutanfälle. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Dann kommt die Unsicherheit dazu, wie soll ich jetzt meinem Kind begegnen. Oft sind wir auch von der Heftigkeit der eigenen Wut überrascht.

«Trotz» meint laut Wikipedia ein Verhalten von Widerstand, heftige Gefühlsausbrüche, beharren auf einer Meinung und wird mit Kindern oft negativ gemeint. Das beschreibt so wenig, worum es in der Kleinkind-Phase wirklich geht.

In der Entwicklungspsychologie wird diese Phase, die ungefähr vom zweiten bis zum vierten Lebensjahr am stärksten auftritt, Autonomiephase genannt. Das finde ich viel passender. In dieser Zeit entdecken die Kinder ihr «Ich», es geht nicht um Trotz, sondern um Ablösung und um Selbstständig werden. Kinder bewegen sich vom „Wir“ mit einer Bezugsperson zu einem eigenständigen Wesen mit eigenen Ideen. Man könnte auch sagen «Ich will selber machen»-Phase. Es geht in dieser Zeit um die Autonomie-Entwicklung.

Die Autonomiephase ist eine der wichtigsten Entwicklungsphasen eines Kindes und die am Meisten missverstandene.

Was ist unser Problem mit der Autonomiephase?

Wir nehmen das Verhalten der Kinder persönlich. Wir haben das Gefühl, dass unsere Kinder gegen uns sind und fühlen uns provoziert. So landen wir sehr schnell in einem Machtkampf.

Unsere Sicht über Kinder ist geprägt von unserer eigenen Erziehung und dem Bild, dass Kleinkinder «trotzen». Sie stellen sich gegen uns, wollen uns testen, so die immer noch weit verbreitete Meinung. Wir dürfen nicht nachgeben, müssen Grenzen setzen und uns durchsetzen. Sonst…

Ja was sonst?

Kinder sind Teamworker. Sie wollen mit uns zusammenarbeiten. Und ja sie sind Kleinkinder. Sie dürfen noch reifen. Ihnen fehlen oft die Worte und so drücken sie sich körperlich aus.

Ihr Verhalten ist aber nie gegen uns gerichtet. Kleinkinder machen nichts gegen uns, sondern für sich. Ihr Verhalten sagt etwas über sie aus. Es zeigt uns, wie es ihnen gerade geht. Und was ihnen in dem Moment wichtig ist.

Sind wir bereit hinter das Verhalten zu schauen?
Worum geht es meinem Kleinkind wirklich?
Welches Gefühl liegt hinter dem Verhalten?
Welches Bedürfnis steckt hinter dem Gefühl?

 

Welchen Weg wählst du? Den Weg der Angst oder den Weg des Vertrauens?

Weg der Angst

Ich muss meinem Kind Grenzen setzen, sonst tanzt mein Kind mir auf der Nase herum.

Es macht sonst was es will.

Es wird es sonst nie lernen. Es wird ein Tyrann.

Ich darf nicht nachgeben. Ich muss konsequent sein.

Mein Kind soll machen, was ich sage.

 

Wir sind im Machtkampf, im Gegeneinander!

 

Weg des Vertrauens

 

Mein Kind ist ein Teamworker.

Es will mit mir zusammenarbeiten.

Mein Kind gibt jeden Tag sein Bestes.

Wenn es nicht mehr kooperiert ist es entweder überfordert oder gekränkt.

Mein Kind wird es lernen, wenn es dazu bereit ist.

Ich zeige mich mit meinen Grenzen. Ich suche mit meinem Kind gemeinsam eine Lösung.

 

Wir sind in Beziehung, im Miteinander!

 

Was passiert bei einem Wutanfall eines Kleinkindes?

Kleinkinder haben eine klare Vorstellung im Innern, was sie wollen. Sie sind in ihrer Zielplanung noch sehr starr und wollen das Gewünschte genau so umsetzten und das JETZT! Geht dieser Plan nicht auf und sie werden in ihrer Tätigkeit unterbrochen ist das für sie eine Stresssituation. In diesem Moment werden sie von Gefühlen, wie Wut und Ärger überfallen. Das Kind will uns nicht ärgern oder „Grenzen testen“, sondern es ist in diesem Moment völlig überfordert mit der Heftigkeit der Gefühle – es kommt zum Kurzschluss, zum emotionalen Zusammenbruch.

Schreiendes Mädchen

Schreiendes Mädchen

Das Kind gerät in eine tiefe innere Not. Das zeigt sich durch lautes Weinen und Schreien. Das Kind ist in dieser Überforderung gefangen und kommt selber nicht mehr raus. Da sind sie angewiesen, dass wir an ihrer Seite sind und sie durch diese Gefühlsstürme begleiten.

Die Bewältigung von Stresssituationen ist ein sehr komplexer Prozess, den wir bis ins Erwachsenenalter hinein immer wieder üben müssen.

Was hilft beim Wutanfall?

  • Versuche selber ruhig zu bleiben.
  • Beschreibe was du siehst und benenne Gefühle.
  • Versuche mit dem Kind in Verbindung zu kommen.
  • Übe keinen weiteren Druck auf das Kind aus.
  • Warte mit Vorschlägen, bis sich das Kind beruhigt hat.

Der Schlüssel dabei bist du! Es ist wichtig, dass es dir gut geht. Deine Bedürfnisse sind wichtig! Du bist wichtig! Du darfst in erster Linie gut für dich selber sorgen, so kannst du auch besser für deine Kinder da sein.

Nimmst du dich wichtig? Was brauchst du, dass es dir gut geht? Wobei kannst du auftanken? Wo kannst du dir Unterstützung holen?

Die Mutter tröstet ihr weinendes Kind.

Zusammenfassung

Die Autonomiephase ist eine der wichtigsten Entwicklungsphasen eines Kindes. In dieser Zeit entdeckt das Kind seinen eigenen Willen und will immer mehr selber entscheiden. Wenn etwas nicht klappt ist das eine grosse Frustration und eine emotionale Überforderung. Dies zeigt es zum Beispiel mit Weinen, Schreien und sich an Boden werfen. Ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Kleinkind ist zu lernen mit Frust umzugehen und Worte dafür zu finden.

Nichts was Kinder, besonders in dieser Phase tun, ist gegen uns Eltern gerichtet!

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Hey, ich bin Jasmine

Ich begleite Eltern mit Kleinkindern durch die Stürme der Autonomiephase. Weg vom Machtkampf hin zu mehr Leichtigkeit.

Erfüllt Familie leben ist mein Herzensthema. Darüber schreibe ich regelmässig in meinem Blog und auch in meinen Familienimpulse.