Warum die Autonomiephase so wichtig ist

Warum habe ich die Autonomiephase zu meinem Thema gemacht? Das ist eine spannende Frage. Meine Tochter hat schon früh einen starken Willen gezeigt. Sie ist, wie ich, sehr temperamentvoll und um es in Nora Imlau’s Worte zu sagen, sind wir beide gefühlsstark. Es gab in der Kleinkindzeit immer wieder Situationen, die mich sehr herausgefordert haben. Ich spürte in mir eine Wut, die ich gar nicht in so einer Intensität kannte.

Aus meiner eigenen Not heraus begann ich mich mit dem Thema Kleinkind und Autonomiephase intensiv zu beschäftigen. In dieser Zeit habe ich viel gelesen. Ich habe viele Bücher und Blogartikel verschlungen. Unzählige Podcasts und Hörbücher angehört. Es gab so viele Themen, die mich sehr herausgefordert haben.

Durch mein Suchen bin ich auf die Ausbildung zur «Kinder besser verstehen» Kursleiterin von Katia Saalfrank gestossen. Ihre bindungs- und beziehungsorientierte Haltung hat mich sofort angesprochen. So musste ich nicht lange darüber nachdenken und ich habe mich dazu angemeldet. Ich liebe es so tief in Themen einzutauchen.

Heute will ich meine Erfahrung und mein Wissen mit anderen Eltern teilen. Ich möchte Eltern bestärken auf dem Weg in ein Familienleben, bei dem es allen gut geht. Besonders in der Autonomiephase.

Die Autonomiephase kurz erklärt

Die Autonomiephase beginnt irgendwann nach dem ersten Geburtstag und dauert ungefähr bis zum fünften Lebensjahr. Die Kinder lösen sich immer mehr von ihren Eltern und werden selbstständig. Sie entdecken ihren Willen und das Wort «Nein» wird zu ihrem Lieblingswort. Diese Zeit wird auch oft «Trotzphase» genannt. Warum ich diesen Namen nicht passend finde, kannst du in meinem Blogartikel «Warum es keine Trotzphase gibt» nachlesen.

Diese Entwicklungsphase hat einen grossen Einfluss auf unser Leben als Erwachsene. Viele Probleme, mit denen wir als Erwachsene kämpfen, haben ihren Ursprung in der Autonomiephase. Viele wissen als erwachsene Personen nicht was sie wollen. Sie spüren sich nicht mehr. Auch haben viele den Zugang zu ihren Gefühlen verloren. Beide Themen sind in der Autonomiephase sehr präsent. Wir können heute bei unseren Kindern einen Unterschied machen.

Die Autonomiephase ist eine entscheidende Entwicklungsphase

Entwickelt sich das Baby zum Kleinkind passiert etwas Spannendes. Das Kleinkind entdeckt seinen Willen und probiert ihn überall aus. Nein wird zu seinem Lieblingswort. «Ich will selber machen» wird zum neuen Motto. Es ist voller Entdeckerlust und Neugier, die es ungehindert ausleben will. Dabei macht das Kind auch die Erfahrung, dass es noch nicht alles machen kann, was es will. Und das kann ganz viel Frustration auslösen. So sind auch heftige Wutanfälle an der Tagesordnung.

Hier stehen Eltern vor einer wichtigen Weggabelung. Wie gehen wir in Wutsituationen mit unseren Kindern um? Wie begegnen wir der Entdeckerlust der Kinder? Was sagen wir, wenn die Kinder genau das Gegenteil machen, von dem was wir gesagt haben?

Wir legen hier wichtige Grundbausteine für die weitere Entwicklung der Kinder. Wie denkt ein Kind über sich? Bin ich wichtig? Darf ich mitreden? Werde ich gesehen? Werde ich ernst genommen? Bin ich ok so, wie ich bin? Bin ich angenommen? Darf ich einen Willen haben? Sind meine Gefühle ok?

Die Autonomiephase wird oft missverstanden

Noch immer sind viele Mythen über unsere Kleinkinder in unserer Gesellschaft vorhanden. Früher wurde das Kleinkind als widerständig angesehen und die Angst war da, dass wenn nicht durchgegriffen wurde, aus dem Kleinkind ein Tyrann werden würde. Den Willen musste man brechen und dem Kind zeigen, wer da das Sagen hatte. Nur nicht zu viel Aufmerksamkeit geben, sonst wird das Kind verwöhnt. Es muss auch mal lernen, dass das so nicht geht. Gehorsam und Anpassung war das Ziel. Diese Denkweise hat verheerende Folgen.

In der Autonomiephase entdecken Kleinkinder ihren Willen

Der eigene Wille ist ein Schatz, zu dem wir Sorge tragen dürfen. Ja es ist eine Herausforderung, wenn Kleinkinder den eigenen Willen entdecken, weil Erfahrung und Verständnis noch nicht da sind. Sie sind in ihrer Zielplanung sehr starr und wollen ihren Plan genauso umsetzen. Wenn das nicht geht, kommt der Wutanfall. Und da ist es entscheidend, wie wir darüber denken. Ist es jetzt Trotz und ein Versuch uns umzustimmen? Nein, es ist einfach ihre Überforderung und ihr Frust, weil ihr Plan nicht aufgeht. Es macht einen grossen Unterschied, wie wir das Verhalten der Kinder deuten.

In der Autonomiephase lernen Kleinkinder ihre Gefühle kennen

In der Autonomiephase lernen die Kinder das gesamte Spektrum der Gefühle kennen. Es ist eine intensive Phase voller starker Gefühle: überschäumende Freude, grosse Begeisterung, viel Frustration, starke Wut und heftige Wutanfälle. Kleinkinder sind noch sehr impulsiv unterwegs. Sie haben noch nicht gelernt ihre Gefühle zu regulieren. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein für die Kinder und auch für uns. So kommen die Gefühle in ihrer ganzen Wucht raus. Sie beginnen erst in dieser Phase zu lernen, was für Gefühle sie haben und wie sie gut damit umgehen können. Dabei sind sie fest auf uns angewiesen. Wir können ihren Gefühlen Worte geben und ihnen dabei helfen Strategien zu lernen ihre Gefühle zu regulieren.

Die Autonomiephase ist eine grosse Herausforderung für Eltern

Die Autonomiephase bringt uns Eltern an unsere Grenzen. Sie konfrontiert uns mit unserer eigenen Kindheit. Und oft  fallen wir in Verhaltensweisen, die wir nie so leben wollten. Viele Eltern nehmen sich vor ihre Kinder liebevoll und bedürfnisorientiert zu begleiten. Und dann kommt die Autonomiephase. Die alten Erziehungssätze ploppen im Inneren auf. Sprüche von aussen kommen hinzu und schnell beginnt man an sich selber zu zweifeln.

Genau da, möchte ich Eltern bestärken, dass es sich lohnt, ihre Kinder bindungs- und beziehungsorientiert zu begleiten. Wir können dazu beitragen, dass unsere Kinder gesunde Erwachsene werden, die wissen, was sie wollen und einen Zugang zu ihren Gefühlen bekommen.

 

 

 

2 Comments

  1. Iris

    Oh ja, das kenne ich nur allzu gut. Die Autonomiephase. Vielen Dank für die Aufklärung. Es ist ein absolut wichtiges Thema.

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    • Jasmine Müller

      Ja es ist so ein wichtiges Thema. Da braucht es noch viel Aufklärung. Danke für deinen Kommentar.

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Hey, ich bin Jasmine

Ich begleite Eltern mit Kleinkindern durch die Stürme der Autonomiephase. Weg vom Machtkampf hin zu mehr Leichtigkeit.

Erfüllt Familie leben ist mein Herzensthema. Darüber schreibe ich regelmässig in meinem Blog und auch in meinen Familienimpulse.

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